Die Kapler Alm in Reinsberg (Bezirk Scheibbs) ist eine von 108 Almen und Gemeinschaftsweiden, die es aktuell in Niederösterreich gibt. Insgesamt knapp 7.000 Rinder weiden dort. Oder besser: Sollten weiden, denn zu fressen gibt es nicht mehr allzu viel. Die Weideflächen – 4.200 Hektar – sind braun und dürr.
Drei Viertel der Almbauern hätten schon erste Maßnahmen ergriffen, Tiere von den Weiden geholt oder Futter und Wasser hinaufgebracht, berichtet der Obmann des Alm- und Weidewirtschaftsvereines Niederösterreich, Josef Mayerhofer. Er spricht von Verzweiflung: „Wenn du zu Hause einen Betrieb hast, Tiere im Stall stehen und du siehst, dass auf den Wiesen und Äckern nichts mehr wächst, dann macht das was mit dir. Weil die Situation auch ausweglos ist, weil niemand Futter hat. Und holst du die Tiere von der Weide, musst du sie mit dem Futter ernähren, das du für nächstes Jahr geerntet hast. Eine sehr, sehr schwere Situation.“
Und zwar gerade in Niederösterreich, bestätigt der Obmann der Almwirtschaft Österreich, Josef Obweger: „Ich bin von Kärnten über Salzburg angereist, aber wenn man hierher kommt, dann ist das eine neue Dimension. Trocken ist es überall und Ausfälle gibt es auch überall, aber wenn man die Tiere so wie hier nur noch aus Bewegungsgründen auf der Alm lässt, dann ist das eine mehr als schwierige Lage.“
Forderung nach Mitteln aus Katastrophenfonds
Immer wieder kommt beim Festakt Kritik an der Bundesregierung, die sich bis jetzt nicht auf ein Dürrehilfspaket einigen konnte. Am deutlichsten deklariert von Matthias Pöhacker, Obmann der Weidegenossenschaft Reinsberg. Er wisse nicht, ob er weitermachen könne. Und dann gebe es Diskussionen darüber, aus welchem Topf die Hilfsmittel kommen sollten: „Ein Hochwasserschaden wird kommentarlos aus dem Katastrophenfonds bezahlt. Eine Dürrekatastrophe ist auch ein Naturschaden, aber da soll der Katastrophenfonds nicht zuständig sein?“
Die Diskussionen bestätigt auch Landwirtschaftskammerpräsident Johannes Schmuckenschlager, Abgeordneter zum Nationalrat für die ÖVP. Es gehe nicht darum, Bauern über Förderungen Geld zu geben, sondern die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu sichern: „Das Geld ist für die Betriebe da, damit höhere Futtermittelkosten abgedeckt werden können. Leider gibt es da noch ideologische Scheuklappen.“
Tanner: „Geht um Versorgungssicherheit“
Darauf angesprochen bestätigt auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP), frühere Bauernbunddirektorin in Niederösterreich und im Bezirk Scheibbs zu Hause, ihre Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation. Sie rechne zwar damit, dass es zu einer Lösung komme, aber es sei einigen Akteuren nicht bewusst, worum es gehe: „Wenn man sich das Ausmaß der Dürre in allen Regionen Niederösterreichs anschaut, dann geht es hier nicht um eine einzelne Partei und nicht um eine Regierung, sondern um unser aller Versorgungssicherheit. Und dass man denen hilft, die dafür für uns da sind.“
Ob es einen finanziellen Ausgleich für dürregeschädigte Bäuerinnen und Bauern gibt und wie hoch dieser ausfallen wird, ist nach wie vor offen. Tatsache ist aber auch, dass es kaum Futter zu kaufen gibt, weil die Trockenheit ganz Europa betrifft. Und ebenso offen ist, wie es mit der Natur und der Landwirtschaft – im Speziellen der Almwirtschaften – weitergeht, wenn der Regen noch länger ausbleibt, der eine echte Entspannung der Situation bringt.