Norris, der am Vortag im letzten Abdruck das Qualifying für sich entschieden hatte, profitierte auf dem Weg zu seinem insgesamt zwölften Erfolg in einem Grand Prix auch vom Ausfall seines McLaren-Teamkollegen Oscar Piastri. Der Australier, der sich nach dem Start an die Spitze katapultiert hatte, musste in der 56. Runde nach einem Getriebedefekt aufgeben.
In der WM-Wertung vergrößerte Antonelli seinen Vorsprung auf Lewis Hamilton, der diesmal Fünfter wurde, auf 40 Punkte. Der englische Ferrari-Star kam zwar als Vierter ins Ziel, rutschte aber aufgrund einer Fünfsekundenstrafe hinter seinen monegassischen Teamkollegen Charles Leclerc zurück. Norris ist weiter Fünfter, sein Rückstand auf den Jungstar Antonelli von Mercedes beträgt 91 Punkte.
Norris schnappt sich Ungarn-Sieg
Lando Norris wurde von seiner Boxencrew bei der Zieldurchfahrt frenetisch gefeiert
„Glücklich, wieder ganz oben zu stehen“
„Zu Beginn ist nicht alles nach Plan gelaufen, aber ich habe dann alles aus dem Auto rausgeholt, was drin war. Die Pace war eine der besten, die ich jemals hatte. Und das Auto war super zu fahren. Ein großartiges Rennen“, sagte Norris, der dafür sorgte, dass im elften Saisonrennen kein Mercedes- oder Ferrari-Pilot den Siegerpokal entgegennahm.
„Ich bin glücklich, endlich wieder einmal ganz oben zu stehen. So wie wir uns präsentiert haben, gibt das Zuversicht für die nächsten Rennen. Wir werden noch gute Momente in dieser Saison haben. Wenn wir weiter so hart arbeiten, werden wir auch weiter gewinnen“, so Norris.
Verstappen, der nach dem Qualifying noch über die Aerodynamik seines Red-Bull-Boliden geschimpft hatte, überraschte sich mit dem zweiten Platz selbst. „Das Podest hätte ich mir heute nicht erwartet, aber wir haben alles dafür gegeben. Der Start war okay, nach dem ersten Stopp war es schwierig, die Reifenmischungen waren schwer am Leben zu erhalten. Bei Hamilton sah ich nur eine Chance, an ihm vorbeizukommen, die nützte ich. In Summe hatte ich alles unter Kontrolle“, sagte der Niederländer.
Dahinter holte Antonelli laut eigener Aussage noch das meiste aus seinem Boliden heraus. „Es war ein hartes Rennen. Auch zu überholen war hier sehr hart. Ursprünglich wollten wir mit einem Stopp durchkommen, aber die Reifen gaben das nicht her. Zum Glück konnte ich die Ferraris hinter mir halten“, sagte der 19-Jährige, der weiter auf Titelkurs liegt: „Dass ich als WM-Leader in die Sommerpause gehe, ist ein Traum. Aber wir müssen weiter achtsam sein und weiter pushen.“
Packender Start ins Geburtstagsrennen
Der Start in das ungarische Geburtstagsrennen – vor 40 Jahren wurde auf dem Hungaroring erstmals ein Grand Prix ausgetragen – war jedenfalls ein Genuss für Fans eines packenden Auftakts. Denn vor allem Verstappen erwischte in seinem Red Bull einen Traumstart und schob sich an Leclerc und Hamilton vorbei. Der Niederländer kämpfte danach verbissen und mit vollem Risiko um seine Position. Obwohl er sichtlich langsamer als die Ferraris war, hielt er sie hinter sich.
Auch der Führende hieß nur bis zur zweiten Kurve Norris. Denn sein australischer Teamkollege Piastri schob sich am Engländer innen vorbei, als dieser den Einschlagpunkt nicht ganz optimal erwischte und nach außen getragen wurde. In der Folge jagte Titelverteidiger Norris Piastri um den Kurs, was gepaart mit „Bremse“ Verstappen dazu führte, dass sich die McLaren vom Feld absetzten.
McLaren dominiert, Verstappen riskiert
Das Klassement wurde erst mit dem Beginn der ersten Serie an Boxenstopps durcheinandergewirbelt. Für Raunen auf den Tribünen sorgte weiter Verstappen. Denn in der 16. Runde riss der Niederländer seine Fans von den Sitzen, als er nicht nur Liam Lawson überholte, sondern sich in einem Aufwasch gleich auch an Hamilton vorbeidrängte. Eine Szene, die so ganz dem Klischee des Hungaroring als überholarme Strecke widersprach.
Verstappen bremst Hamilton aus
Mit seinem Überholmanöver sorgte Verstappen für eines der Highlights des Rennens.
Dank der Boxenstopps fand sich zwischenzeitlich auch WM-Spitzenreiter Antonelli an der Spitze, gab diese aber spätestens bei seinem ersten Reifenwechsel wieder her. Das Rennen blieb eine Verfolgungsjagd zwischen den beiden McLaren-Piloten. Piastri hatte Norris permanent im Nacken sitzen. Der Weltmeister fand aber keine Gelegenheit, den Australier ernsthaft in Verlegenheit zu bringen.
Beinahe-Crash wirft Piastri zurück
In der 39. Runde verlor Piastri aber doch die Führung an Norris. Das war aber einem Beinahe-Crash mit Carlos Sainz geschuldet. Denn beim Versuch, den Spanier zu überrunden, scherte dessen Williams unerwartet nach links aus. Piastri konnte gerade noch einen Unfall verhindern, verlor aber so viel Zeit, dass Norris nach seinem zweiten Boxenstopp vor ihm blieb. „Geh mir aus dem Weg, du Idiot“, schimpfte Piastri zwar in den Funk, musste sich aber trotzdem hinter seinem Teamkollegen einreihen.
Sainz kollidiert beinahe mit Piastri
Bei einem Überrundungsmanöver kamen sich die Boliden von Carlos Sainz und Oscar Piastri gefährlich nahe.
Die Turbulenzen brachten Antonelli wieder zurück an die Spitze. Doch mit deutlich älteren Reifen war der junge Italiener gegen Norris chancenlos. Ab der 46. Runde war der Weg für den 26-jährigen Champion zu seinem zweiten Sieg in Budapest und zum ersten in einem Grand Prix in dieser Saison frei. Auch weil sich bei Piastri zehn Runden später das Getriebe verabschiedete.