Tagger stand zum zweiten Mal in ihrer Karriere in einem WTA-Finale, ihr erstes verlor sie 2025 in Jiujiang. Im zweiten Versuch klappte es nun mit ihrem ersten Titel. Österreichs größte Nachwuchshoffnung verwandelte in der tschechischen Hauptstadt nach 1:29 Stunden Spielzeit ihren zweiten Matchball.
„Danke für ein unglaubliches Turnier. Natürlich danke an mein ganzes Team, mein Vater ist heute auch hier. Danke an alle, die mir geholfen haben, damit ich meine Ziele erreichen kann. Ich hätte ohne ihre Unterstützung nichts geschafft“, sagte Tagger im Siegerinneninterview auf dem Platz. Snigur honorierte den Sieg Taggers: „Du verdienst es, herzliche Gratulation.“
„Punkt für Punkt“ zum ersten Titel
Die Osttirolerin konnte ihren Coup nach den Danksagungen kaum fassen. „Es war ein Wahnsinnsmatch. Ganz ehrlich muss ich sagen, ich war am Anfang schon ein bisserl, wenn nicht zu sagen: ziemlich nervös“, sagte Tagger. Gegen den Spielstil der Gegnerin, „den nicht jede hat“, habe sie sich schwergetan: „Aber ganz ehrlich: Ich kann nicht glauben, dass ich es am Schluss dann wirklich gewonnen habe. Ein Finale spielt man nicht jeden Tag, es ist mir sehr viel daran gelegen, dass ich das Match und das Turnier gewinne.“
Sie hätte „Punkt für Punkt“ besser ins Spiel und ihren Rhythmus gefunden. Freunde und Familie hätten sie beflügelt: „Die Energie war Wahnsinn! Einige von uns Tennisspielern sind dafür gemacht, in so großen Stadien zu spielen, und genießen es einfach. Deswegen habe ich mir gesagt: Ok, ich bin nervös, aber es ist einfach etwas Spezielles. Natürlich spürt man vielleicht die Müdigkeit von gestern, aber wenn man in ein so großes Stadion geht mit so viel Energie, da merkst du gar nichts mehr.“
Tagger: „Es war ein Wahnsinnsmatch“
Lilli Tagger hat beim WTA-250-Turnier in Prag das Finale gegen die Ukrainerin Daria Snigur gewonnen. Für Tagger war es der erste WTA-Titel ihrer Karriere. Im Interview sprach sie über das „wahnsinnige“ Endspiel und ihre Emotionen.
Jubiläumstitel für Österreich
Taggers richtungsweisender Titel bedeutet zudem ein kleines Jubiläum für Österreich, denn es ist der insgesamt 25. ÖTV-Triumph auf der Frauen-Profitour. Die Osttirolerin ist die zehnte Österreicherin, der dieses Kunststück gelungen ist. Sie folgte Petra Huber (1), Barbara Paulus (6), Judith Wiesner (5), Barbara Schett (3), Marion Maruska (1), Patricia Wartusch (2), Sybille Bammer (2), Tamira Paszek (3) und Meusburger (1) nach. Tagger ist die jüngste Österreicherin, die bei einem WTA-Turnier triumphierte.
In Prag hatte sich Tagger überraschend ins Endspiel gekämpft, im Halbfinale schaltete sie nach hartem Kampf die zweifache Grand-Slam-Siegerin Barbora Krejcikova (CZE/2) mit 6:7 (5/7) 6:3 7:6 (7/4) aus. Ins Endspiel war die Nummer 74 der Welt als leichte Außenseiterin gegangen, Snigur liegt in der Weltrangliste 20 Ränge vor Tagger. Österreichs Jungstar wird allerdings einen großen Sprung machen, am Montag klettert sie auf Rang 45.
Nervöser Start von Tagger
Im Finale erwischte Tagger einen Fehlstart. Sie fand im ersten Duell mit Snigur nicht so gut ins Match, es fehlte an Timing und Stabilität. So kassierte Tagger gleich zu Beginn das Break zum 0:2. Beim Stand von 5:2 für Snigur hatte Tagger die erste Breakmöglichkeit, vergab jedoch zwei Chancen. Der Osttirolerin war die Nervosität vor allem zu Beginn anzumerken, mit zunehmender Spielzeit konnte sie diese allerdings ablegen und fand immer besser ins Spiel.
Das Rebreak gelang Tagger schließlich zum 4:5, anschließend brachten beide Spielerinnen ihre Aufschlagspiele durch. Die Entscheidung fiel demnach im Tiebreak. In diesem blieb Tagger nervenstark und zeigte ihre Qualitäten, vor allem mit ihrer sehenswerten einhändigen Rückhand, die sie gewinnbringend einsetzte. Nach knapp einer Stunde Spielzeit entschied sie den Tiebreak gegen die sechs Jahre ältere Ukrainerin mit 7/3 für sich.
Tagger lässt nichts anbrennen
Im zweiten Satz ließ Tagger nichts anbrennen, das entscheidende Break gelang ihr zum 3:1. Zudem nahm sie Sigur den Aufschlag zum 6:2-Endstand ab. Damit war nach rund eineinhalb Stunden Spielzeit der größte Erfolg von Tagger besiegelt.
Die Lienzerin erhält für ihren Triumph ein Preisgeld von 37.390 Dollar (knapp 33.000 Euro), zudem wird sie am Montag die Nummer 45 der Welt und damit so gut positioniert sein wie noch nie. Nach einer Woche Pause plant Tagger ein Antreten beim WTA-125-Turnier in Warschau, ehe es in den USA in die Cincinnati-Quali geht.
WTA-250-Turnier in Prag
(Tschechien, 246.388 Euro, Hardcourt)
Finale: Lilli Tagger (AUT) Daria Snigur (UKR/8) 7:6 (7/3) 6:2