Mit 7:6 (7/3) 6:2 im Finale in der tschechischen Hauptstadt über Snigur schrieb Tagger das bisher wichtigste Kapitel ihrer noch jungen Karriere. Im Vorjahr war die Osttirolerin, die 2025 den Juniorinnen-Bewerb der French Open gewonnen hatte, bei ihrer Finalpremiere im chinesischen Jiujiang noch knapp an der Russin Anna Blinkova gescheitert, nun zog Tagger ihren Traumlauf bis zum Siegespokal durch.
Als Belohnung erhält Tagger nicht nur ein Siegespreisgeld von 37.390 Dollar (knapp 33.000 Euro), sondern auch 250 Punkte für das Ranking. Das wird sie auf Position 45 bringen. Ihr Turniersieg in Prag war zudem der 25. rot-weiß-rote in der Elite des Damen-Tennis. Mit ihrem ersten Titel auf WTA-Ebene beendete Tagger auch eine lange rot-weiß-rote Durststrecke. Yvonne Meusburger hatte 2013 in Bad Gastein als bisher letzte Österreicherin ein WTA-Turnier gewonnen.
Familie und Fans als wichtiger Push
„Ich kann nicht glauben, dass ich es am Schluss dann wirklich gewonnen habe. Ein Finale spielt man nicht jeden Tag, es ist mir sehr viel daran gelegen, dass ich das Match und das Turnier gewinne“, fasste die 18-Jährige ihre Gefühlswelt zusammen. Dabei hatte sie zu Spielbeginn mit ihren Nerven zu kämpfen gehabt: „Ich war am Anfang schon ein bisschen, wenn nicht zu sagen: ziemlich nervös“, sagte die Osttirolerin mit dem Siegespokal in der Hand.
Das Publikum in Prag pushte die Österreicherin schließlich zum Sieg: „Einige sind dafür gemacht, in so großen Stadien zu spielen, und genießen es einfach. Deswegen habe ich mir gesagt: Ok, ich bin nervös, aber es ist einfach etwas Spezielles.“ Die Müdigkeit vom anstrengenden Semifinale am Samstag sei wie weggeblasen gewesen: „Wenn man in ein so großes Stadion geht mit so viel Energie, da merkst du gar nichts mehr.“
Bei der Siegerehrung nach der über 89 Minuten gegangenen Hartplatzpartie vergaß Tagger in der Stunde des Triumphes aber auch ihr Team mit Francesca Schiavone an der Spitze nicht: „Ihr macht unglaubliche Arbeit, damit ich meine Ziele erreichen kann.“ Sehr speziell sei es letztlich gewesen, dass ihre Familie kurz entschlossen zum Finale in Tschechiens Hauptstadt gereist waren. „Danke, ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Snigur honorierte den Sieg Taggers: „Du verdienst es, herzliche Gratulation.“
Tagger: „Es war ein Wahnsinnsmatch“
Lilli Tagger hat beim WTA-250-Turnier in Prag das Finale gegen die Ukrainerin Daria Snigur gewonnen. Für Tagger war es der erste WTA-Titel ihrer Karriere. Im Interview sprach sie über das „wahnsinnige“ Endspiel und ihre Emotionen.
Melzer: „Unglaublicher Erfolg“
Die Bedeutung von Taggers Erfolg strich auch der Sportdirektor des Österreichischen Tennisverbandes, Jürgen Melzer, hervor. „Das ist ein unglaublicher Erfolg und zeigt, was sie für ein großes Talent ist“, sagte der Niederösterreicher. Im Halbfinale eine Spielerin wie Barbora Krejcikova in deren Heimatland zu schlagen und dann auch im Finale die Nerven zu behalten, sei beeindruckend.
Trotzdem solle man Tagger die Zeit geben, sich in Ruhe weiterhin zu entwickeln, und keine Wunderdinge erwarten. „Sie steht trotzdem erst am Anfang ihrer Reise“, betonte Melzer. „Wir werden noch eine Menge Freude mit ihr haben.“ Nach einer Woche Pause plant Tagger ein Antreten beim WTA-125-Turnier in Warschau. Danach geht es in den USA in die Cincinnati-Quali.