Bislang hat der Grundwehrdienst in Österreich sechs Monate lang gedauert. Jetzt soll er mit verpflichtenden Truppenübungen danach um drei Monate verlängert werden. Diese neun Monate entsprechend der Länge des Zivildienstes. Dort soll zunächst eine Verlängerung um zwei Monate möglich sein. Er soll allerdings verpflichtend auf elf Monate verlängert werden, wenn die Zahl der Grundwehrdiener zu gering ist.

Müller: Zahl der Zivildiener wird steigen

Für die Vorarlberger Offiziersgesellschaft schafft dieser Vorschlag der Bundesregierung ein „Ungleichgewicht“ zwischen Wehr- und Zivildienst. Die Dauer verschiebe sich zulasten der Soldaten von einem 2:3 Verhältnis auf 1:1, kritisiert Präsident Josef Müller.

Bisher sei die längere Zivildienstdauer „dem sogenannten Tatbeweis für die Gewissensgründe und der Gefahren für Leib und leben der Soldaten im Einsatz“ geschuldet gewesen. Müller frage sich, ob das mittlerweile nicht mehr gelte. Er rechnet damit, dass die Zahl der Anmeldungen für den Zivildienst weiter steigen werden.

Verlängerung grundsätzlich zu begrüßen

Grundsätzlich seien die Verlängerung der Wehrdienstzeit sowie die Wiedereinführung verpflichtender Milizübungen zu begrüßen. „Sehr positiv ist für mich, dass die ersten beiden Monate dieser Miliz-Übungszeit unmittelbar nach dem Grundwehrdienst angehängt werden soll. Damit kann die Teamfähigkeit in der Ausbildung auf der Ebene Kompanie und Bataillon erreicht werden“, erklärt Müller.

„Vertane Chance“ für „zukunftsweisendes Gesamtpaket“

Die Offiziersgesellschaft kritisiert den Vorschlag der Bundesregierung insgesamt dennoch als „unzureichend und politisch halbherzig“. Man habe eine „sicherheitspolitisch wichtige“ Chance vertan, ein zukunftsweisendes Gesamtpaket für den Pflichtdienst zu verabschieden.

Hauptkritikpunkt: Politische Interessen hätten Vorrang vor notwendigen Entscheidungen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Österreichs. Für den präsentierten „fragwürdigen Kompromiss“ habe man die Empfehlung der Wehrdienstkommission, die ein 8+2 Modell des Grundwehrdienstes sowie eine Verlängerung des Zivildienstes vorgeschlagen hatte, „geopfert“.