„Als Bezirksvorsteher erwarte ich mir, dass ich als gewählter Interessensvertreter über die Geschehnisse im Bezirk im Vorfeld in Kenntnis gesetzt werde“, so Steinhart. Das sei bereits bei der Vorstellung des Projekts nicht passiert. Von der Inbetriebnahme habe er nun wiederum „aus den Medien“ erfahren. Neben der lückenhaften Informationskette vermisst Steinhart auch ein offizielles Sicherheitskonzept. Dieses habe man als Bezirk angefordert, aber nicht bekommen, heißt es in der Aussendung.

Auf Anfrage habe man lediglich auf bruchsichere Fenster und Türen verwiesen, „allerdings ohne näher auf den Stufenplan und weitere Sicherheitsvorkehrungen im Falle von Regelverstößen einzugehen“, heißt es weiter. In Simmering stellt die SPÖ die Mehrheit, die Kritik kommt also aus den eigenen Reihen.

Simmering durch Jugendgefängnis bereits „gefordert“

Simmering sei ohnehin bereits durch die neue Jugendvollzugsanstalt „vor Herausforderungen gestellt“. Man wünsche sich daher umso mehr eine bessere Kommunikation. „Wenn wir permanent für neue Einrichtungen herhalten müssen, ist eine Aufstockung des Polizeipersonals zwingend notwendig“, so Steinhart. Für ihn stehe die Sicherheit der Bevölkerung an erster Stelle.

Unterdessen wurden weitere Details der Sicherheitsmaßnahmen in der Auszeit-WG bekannt. Demnach arbeitet ein Securitymann mit sozialarbeiterischer Erfahrung als Teil des Teams in der Wohngemeinschaft. Auch ein Alarmsystem existiert in dem mit bruchsicheren Fenstern und Türen ausgestatteten Haus, wie ein Sprecher von Stadträtin und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) auf APA-Anfrage sagte.

Personal übt regelmäßig Selbstverteidigung

Das System, „das die Außenwelt im Anlassfall durch laute Signale aufmerksam macht“, sei auf Anraten der Polizei implementiert worden, hieß es. In Notfällen könnten die Betreuerinnen und Betreuer die Scheibe des Alarmsystems einschlagen.

„Das Alarmsystem dient ausschließlich dem Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und kommt nur als letzte Maßnahme in absoluten Notfällen zum Einsatz“, wurde erklärt. Da sich grundsätzlich immer mindestens zwei Mitglieder des Teams gleichzeitig in der Einrichtung befänden, handle es sich um „eine reine Notfalllösung“.

Selbstverteidigungskurse für Personal

Zusätzlich sind alle Betreuerinnen und Betreuer „vor Ort auf spezielle Festhaltetechniken, Deeskalationstechniken und Selbstverteidigung geschult“, erklärte der Sprecher. Jener Mitarbeiter in Ausbildung zum Sozialpädagogen sei primär als Sicherheitskraft tätig.

Der für die Betreuung zuständige Träger geht in seinem Konzept davon aus, „dass es vor allem am Beginn des Aufenthalts zu stärkeren Widerständen kommt und Mitarbeit verweigert wird“. In der Einrichtung seien rund um die Uhr mindestens zwei Teammitglieder im Dienst. „Bei Bedarf werden zusätzliche Personalkapazitäten eingesetzt“, sagte der Sprecher.

Kritik am Projekt auch von anderer Seite

Nach mehreren Verzögerungen wurde am Mittwoch die Inbetriebnahme der viel diskutierten „Auszeit-WG“ für strafunmündige Intensivtäter in Wien-Simmering verkündet. Vor rund einer Woche sei ein 13-jähriges Kind eingezogen. Ein weiteres Kind werde in Kürze folgen.

Das Projekt mit Kosten von fast einer Million Euro pro Jahr gilt als durchaus umstritten – dem Vernehmen nach teils auch innerhalb der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11). Ob ein bis zu zwölfwöchiger Aufenthalt in der geschlossenen Wohngemeinschaft einem Kind bereits eine nachhaltige Verbesserung bringen könne, sei fraglich. Zuvor hatten bereits das Vertretungsnetz, die Volksanwaltschaft, die Wiener Grünen sowie Personalvertreter innerhalb der Stadt Wien Kritik geäußert.