Am Wiener Westbahnhof gilt seit Mai eine Alkoholverbotszone. Die Bilanz fällt laut Hanke positiv aus: Sowohl Mitarbeiterinnen als auch Fahrgäste würden die Regelung schätzen. „Deswegen denke ich, dass jetzt der richtige Augenblick gekommen ist, um darüber nachzudenken, ob nicht allgemein für Großbahnhöfe eine Verpflichtung, auf Alkoholkonsum zu verzichten, gut wäre“, so Hanke.
Am Westbahnhof seit Verbot 171 Anzeigen
Die Polizei registrierte seit Einführung des Verbots am Westbahnhof bereits 171 Anzeigen. Auch am Praterstern und in Floridsdorf ist der Alkoholkonsum untersagt. Dort gab es bisher rund 6.660 beziehungsweise 208 Anzeigen. Die hohe Zahl am Praterstern erklärt sich dadurch, dass das Verbot dort bereits seit 2018 gilt, in Floridsdorf erst seit dem Vorjahr. An den meisten anderen Standorten verbietet die Hausordnung bisher nur „übermäßigen“ Alkoholkonsum.
Rund jede sechste sicherheitsrelevante Meldung an ÖBB-Bahnhöfen stehe im Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Sowohl die Sicherheit des Bahnhofspersonals als auch das allgemeine Sicherheitsgefühl könnten durch ein Verbot erhöht werden, meinte Hanke. Als Präventionsmaßnahme durchlaufen laut ÖBB rund 1.700 Zugbegleiter:innen jährlich ein ganztägiges Deeskalationstraining, ab September sollen zusätzlich freiwillige Selbstverteidigungskurse angeboten werden.
ÖBB müssen Hausordnung ändern
Rechtlich liegt die Entscheidung, ob ein Alkoholverbot bei einem Bahnhof eingeführt wird, bei den ÖBB: Als Hausrechtsinhaber können sie Verbote in ihren Bahnhöfen eigenständig festlegen. Welche Bahnhöfe konkret für ein Verbot infrage kommen, wolle man sich in den kommenden Monaten anschauen. „Wir brauchen dazu aber auch einige Stakeholder, die Gemeinden und Bezirke zum Beispiel, mit denen werden wir dann in Gespräche treten", sagte Michaela Huber, Geschäftsführerin der „Operative Services“ der ÖBB.
Zur Diskussion stehen in Wien neben dem Hauptbahnhof auch Meidling, Matzleinsdorfer Platz, Wien Mitte, Handelskai, Traisengasse, Liesing, Rennweg, Heiligenstadt und Hütteldorf. Um das Alkoholverbot durchzusetzen, bedarf es unter anderem einer Änderung der Hausordnung durch die ÖBB. Ein Ergebnis der Prüfung soll in den kommenden Monaten vorliegen.