Zur Euro-Zone von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit plus 0,2 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal stieg das BIP in den Monaten April bis Juni um 1,0 Prozent. Hier war ein Zuwachs um 0,7 Prozent erwartet worden.

Zu Jahresbeginn hatte das BIP in der Euro-Zone stagniert. Das BIP in den großen EU-Ländern Deutschland, Frankreich und Italien legte um 0,2 Prozent zu. Spanien schaffte hingegen sogar ein kräftiges Plus von 0,7 Prozent beim BIP. Bei den kleineren Ländern der Euro-Zone erreichte laut der Statistik Portugal 0,8 Prozent Wirtschaftswachstum.

Iran-Krieg als Preistreiber

Das Geschäftsklima in der Euro-Zone hat sich unterdessen zu Beginn der zweiten Jahreshälfte aufgehellt. Das Barometer legte im Juli um 1,5 auf 96,9 Punkte zu, wie aus den Daten der EU-Kommission hervorgeht. Ökonomen und Ökonominnen hatten mit einem Anstieg auf 96,0 Zähler gerechnet.

Auch mit dem Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher ging es ein wenig bergauf. Dieses Barometer stieg laut finalen Daten für Juli um 1,7 Punkte auf minus 15,9 Zähler, bleibt aber dennoch relativ niedrig. Ein Grund für die maue Stimmung der Konsumenten und Konsumentinnen dürfte der vom Iran-Krieg befeuerte Preisauftrieb im Euro-Raum sein. Insbesondere Energie verteuerte sich stark, was Unternehmen und Verbraucher bzw. Verbraucherinnen gleichermaßen zu spüren bekommen.

EZB-Zinserhöhung erwartet

Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) sind auch die Konjunkturaussichten vor diesem Hintergrund eher mau. Indikatoren deuteten darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum auf kurze Sicht aufgrund des Energieschocks und der damit verbundenen Unsicherheit verhalten bleiben wird.

Die EZB hatte den Leitzins zuletzt konstant gehalten. Angesichts der anhaltenden Inflationsgefahr wird auf den Finanzmärkten damit gerechnet, dass die Zentralbank nach der Zinserhöhung vom Juni nachlegen wird – womöglich bereits im September.

WIFO-Schnellschätzung: Erholung unterbrochen

Die heimische Wirtschaftsleistung stagnierte indes im zweiten Quartal. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Schnellschätzung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). Der durch den Iran-Krieg deutlich gestiegene Erdölpreis habe die österreichische Wirtschaft im zweiten Quartal belastet und dadurch die konjunkturelle Erholung unterbrochen, so die Wirtschaftsforscher in ihrer Analyse.

Ersten Berechnungen des WIFO zufolge lag das BIP real im zweiten Quartal in etwa auf dem Niveau des Vorquartals. Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges sei die Industriekonjunktur im Quartal schwach verlaufen. Die Bauwirtschaft verzeichnete laut WIFO erneut einen Rückgang der Wertschöpfung.

Im Bereich Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie habe es einen leichten Zuwachs gegeben. Im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 war das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um jeweils real 0,2 Prozent gegenüber der Vorperiode gestiegen.

Weiter 0,9 Prozent für Gesamtjahr erwartet

WIFO-Konjunkturforscher Marcus Scheiblecker zeigte sich von den Ergebnissen der Schnellschätzung für Österreich nicht überrascht. Man habe aufgrund des Iran-Krieges und des Ölpreisanstiegs mit einem schwachen zweiten Quartal gerechnet. Für das Gesamtjahr erwartet das WIFO weiterhin ein Wirtschaftswachstum in Österreich von 0,9 Prozent.

„Wir sehen derzeit keinen Grund, unsere Prognose zu ändern“, so Scheiblecker zur APA. Im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 wuchs Österreichs Wirtschaftsleistung um jeweils real 0,2 Prozent gegenüber der Vorperiode.

OeNB sieht sich bestätigt

Auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat mit der aktuellen BIP-Entwicklung gerechnet. „Die WIFO-Schnellschätzung bestätigt die OeNB-Prognose vom Juni“, hieß es von OeNB-Chefökonom Wolf Heinrich Reuter in einer Aussendung. Eine genauere Beurteilung der Konjunkturentwicklung für Österreich im ersten Halbjahr sei aber erst mit den vollständigen Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) Anfang September möglich, so der OeNB-Chefökonom.

Arbeitslosigkeit in Euro-Zone stabil

Eurostat lieferte am Donnerstag auch Zahlen zur Arbeitslosigkeit. In der Euro-Zone blieb die Arbeitslosigkeit im Juni laut der Statistik stabil. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,3 Prozent, so Eurostat. Fachleute hatten im Schnitt eine etwas geringere Rate von 6,2 Prozent erwartet. Allerdings wurde der Wert für den Vormonat Mai von 6,2 auf 6,3 Prozent nach oben revidiert. Die Arbeitslosigkeit bleibt damit auf einem niedrigen Niveau. Im Juni 2025 lag die Quote ebenfalls bei 6,3 Prozent.

Die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Euro-Zone betrug im Juni 11,13 Millionen. Das waren 71.000 mehr als im Vormonat. Im Jahresvergleich stieg die Zahl der Arbeitslosen um 43.000.

Österreich im Mittelfeld

In den einzelnen Ländern der Euro-Zone gibt es bei der Arbeitslosigkeit weiter deutliche Unterschiede. Besonders hoch ist die Arbeitslosenquote nach wie vor in Spanien mit 10,1 Prozent. Österreich liegt mit 5,7 Prozent im Mittelfeld und beispielsweise deutlich hinter Deutschland mit 3,9 Prozent.

Eurostat berechnet eine harmonisierte Arbeitslosenquote. Diese basiert auf Definitionen, die den Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entsprechen. Sie können von den nationalen Erhebungsmethoden abweichen.