Die Situation am heimischen Arbeitsmarkt ist weiter angespannt. Ende Juli waren 54.600 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher arbeitslos oder in einer Schulung. Das sind um 5,4 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote im Land liegt damit bei 6,4 Prozent. Österreichweit sind es 6,9 Prozent, heißt es in einer Aussendung des Arbeitsmarktservice (AMS).
Bei den Arbeitsmarktprognosen für Niederösterreich gehe man im heurigen Jahr von einer Steigerung der Arbeitslosigkeit von über vier Prozent aus, heißt es vom AMS. "Damit wird die Arbeitslosigkeit das dritte Jahr in Folge steigen“, sagt AMS NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern. Der Optimismus von Ende des Vorjahres ist damit verflogen – mehr dazu in Nach 32 Monaten: Entspannung am Arbeitsmarkt (noe.ORF.at; 30.12.2025).
Weiterhin weniger offene Stellen
Die Anzahl der offenen Stellen geht in beinahe allen Branchen zurück. Starke Rückgänge verzeichnen der Handel, die Gastronomie und Hotellerie sowie die Bereiche Verkehr und Lagerei. Insgesamt gibt es in Niederösterreich im Juli 9,8 Prozent weniger offene Stellen als im Vergleich zum Vorjahr.
Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) kündigte an, mit Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen auf die schwierige Lage zu reagieren. Diese Angebote sollen Arbeitsuchenden den Einstieg in Beschäftigung erleichtern. „Besonders Jugendliche, ältere Arbeitssuchende und andere vulnerable Gruppen brauchen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine verlässliche Unterstützung und echte Zukunftsperspektiven“, so Rosenkranz.
Vorsichtiger Lichtblick
„Im kommenden Jahr sollte sich das Arbeitslosigkeitsniveau stabilisieren“, so Kern. Außerdem beobachte man, dass die Betriebe wieder verstärkt Personal suchen. Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit sieht Kern eine positive Entwicklung: „Die Zahl der jobsuchenden Jugendlichen steigt nicht weiter an.“
Sowohl bei Frauen als auch bei Männern nahm die Zahl der Arbeitslosen zu. Der Anstieg bei Frauen ist mit acht Prozent allerdings um 4,5 Prozentpunkte höher als bei Männern (3,5 Prozent). Dieser Trend zeigt sich bundesweit – mehr dazu in Arbeitslosigkeit auch im Juli erneut höher. Besonders stark stieg die Arbeitslosigkeit im Juli in den Bereichen wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (+10,9 Prozent), Gesundheit und Soziales (+9 Prozent), öffentliche Verwaltung (+7,7 Prozent) sowie Verkehr und Lagerei (+6,4 Prozent).
Hergovich: „Hausgemachtes Problem in NÖ“
SPÖ-NÖ-Landesparteivorsitzender und Landesrat Sven Hergovich sprach in einer Aussendung von einem „immer größeren hausgemachten Problem in Niederösterreich“. „Besonders alarmierend ist, dass die Zahl der Arbeitslosen seit Monaten schneller steigt als in den Nachbarbundesländern. In Wien und Oberösterreich steigen die Zahlen weit langsamer und auch im Österreichschnitt ist die Steigerung niedriger“, so Hergovich.
Seit Monaten fordere die SPÖ ein Konjunkturpaket und Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. „Es wird Zeit, dass die FPÖ die eigene Untätigkeit bekämpft und endlich aktiv wird“, betonte Hergovich.