Dass die Waldbrände in Frankreich und Spanien so gewaltige Ausmaße annehmen konnten, sei nicht zuletzt auf die starken Niederschläge im Jänner und Februar in dieser Region zurückzuführen, sagt die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizer Institut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Damals brach ein Wintersturm nach dem anderen über die beiden Länder herein: Felder wurden überschwemmt, Autos in braunen Fluten davongerissen, unzählige Strommasten gekippt.
„Nach feuchten Wintern gab es in Südwesteuropa beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen“, so Miller. Gräser, Sträucher und Unterholz schossen in die Höhe. „Durch die dann folgenden zwei Hitzewellen ist die Vegetation ausgetrocknet, weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt.“
Was Südwesteuropa noch bevorsteht
Jede weitere Hitzewelle verschärfe die Situation, sagte Miller, die gerade eine Studie zu sich gegenseitig verstärkenden Waldbrandrisiken veröffentlicht hat. Anhand einer Skizze erklärte sie die aktuelle Lage: „Eine Sonne mit einem Strohhalm, mit dem sie die Feuchtigkeit aus Boden und Pflanzen zieht.“ Je wärmer es sei, desto mehr Feuchtigkeit könne die Atmosphäre aufnehmen, und desto schneller ziehe sie die Feuchtigkeit aus Seen, Flüssen, Pflanzen und Böden.
Nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) ist in Spanien schon jetzt mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie sonst im Durchschnitt in einem ganzen Jahr, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche.
Miller geht davon aus, dass in den kommenden Wochen noch weitere schlimme Waldbrände folgen. „Wir bräuchten Feuchtigkeit in der Vegetation und im Boden, damit sich Waldbrände weniger schnell ausbreiten können.“ Aber unter den derzeitigen Bedingungen wachse nichts nach. Selbst wenn es jetzt einmal kurz regne, würden Boden und Pflanzen nur oberflächlich angefeuchtet. „Wenn es weiter so heiß und trocken bleibt, kann man da vorerst nicht mit Entspannung rechnen.“
Klimawandel trägt zur Eskalation bei
Eine so extreme Bodendürre wie in diesem Jahr in Westeuropa sei etwa fünfmal wahrscheinlicher als ohne die menschengemachte Klimaerwärmung, heißt es in einer jüngst vorgestellten Analyse der World Weather Attribution (WWA). Niederschlagsdefizite, die früher keine Dürre ausgelöst hätten, würden heute zu Dürrebedingungen führen. Denn ausschlaggebend sei nicht allein der Mangel an Regen, sondern vor allem die durch Hitze dramatisch gestiegene Verdunstung.
Derzeit liege die globale Klimaerwärmung bei etwa 1,4 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. „Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad Celsius steigen lassen, könnten diese intensiven Verdunstungsbedingungen doppelt so wahrscheinlich werden und Dürren wie diese zu einem regelmäßigen Ereignis machen“, sagte Mariam Zachariah vom Imperial College London und der WWA vergangene Woche.
Ihr Kollege Theo Keeping gibt aktuell zu bedenken, dass die wahren Kosten der Brände unterschätzt würden. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist mit Zehntausenden zusätzlichen Todesfällen aufgrund von Rauchbelastung zu rechnen.“ Laut dem deutschen Umweltbundesamt entsteht die wesentliche Gesundheitsgefährdung bei Bränden durch die hohe Feinstaubbelastung.
Maßnahmen gegen diese Entwicklung
Langfristig sei eine Begrenzung des Klimawandels zentral, meint Forscherin Miller. Doch klar sei auch: In den kommenden Jahren werde sich die Feuerwetterlage weiter verschlimmern. „Deswegen müssen wir auf jeden Fall auch stärker auf Waldbrandmanagement und Landmanagement setzen.“
Das Wissenschaftsnetzwerk EASAC, ein Verbund der Nationalakademien der EU, mahnte im vergangenen Jahr ebenfalls eine veränderte Brandbekämpfung ein. Wichtig sei nicht nur, gegen die Feuer vorzugehen, sondern auch Bedingungen zu vermeiden, die ein unkontrolliertes Ausbreiten von Bränden begünstigen – etwa durch verbesserte Landschaftsplanung.
Waldbrandgefahr steigt in ganz Europa
In Spanien beklagen Fachleute auch, dass Wälder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt würden und sich dadurch große Mengen brennbaren Materials ansammeln. „Das Hauptproblem ist, dass wir den Wald nicht mehr pflegen“, betonte Forstexperte Paco Castanares in der Zeitung „El Espanol“. Auch ist die Landflucht ein Problem: Weil viele Menschen in die Städte ziehen und Dörfer leerstehen, werden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und Weiden nicht mehr abgegrast – die Verbuschung nimmt dadurch zu.