Das Historische Zentrum Wiens kam 2017 auf die rote Welterbe-Liste. Grund dafür war das Heumarkt-Projekt. Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, gratulierte umgehend. Die Bemühungen der vergangenen Jahre hätten Früchte getragen.

„Die Entscheidung des Welterbekomitees macht deutlich, dass für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes vor allem zwei Dinge zentral sind: Dialog und Kompromissbereitschaft. Neben der Redimensionierung des Projekts am Heumarkt ist die nunmehr deutlich stärkere Verankerung des Welterbes in den Verwaltungsprozessen der Stadt Wien ein zentrales und wesentliches Ergebnis der Entwicklungen der vergangenen Jahre“, hielt Haag in einer Aussendung fest.

Experten hatten Verbleib auf roter Liste empfohlen

Die Entscheidung des Komitees ist insofern bemerkenswert, als der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS), der die UNESCO berät, im Vorfeld der Sitzung mittels „Draft Decision“ dafür plädiert hatte, Wien auf der roten Liste zu belassen. Bund und Wien hatten parallel allerdings auf diplomatischem Wege hinter den Kulissen versucht, möglichst viele Komiteemitglieder von der österreichischen Position zu überzeugen – augenscheinlich mit Erfolg.

UVP zu Heumarkt-Variante steht noch aus

Im Zentrum der jahrelangen Welterbedebatte stand das Heumarkt-Projekt von Investor Michael Tojner und seiner Wertinvest. Dieses war ursprünglich mit einer maximalen Höhe von 73 Metern vorgesehen, was den Welterbeschützern ein Dorn im Auge war. Nach mehreren Redimensionierungen sind nun 49,95 Meter geplant.

Diese Variante, im Jahr 2023 vorgestellt, muss noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen. Eine außerordentliche Revision dagegen wurde erst vor wenigen Tagen vom Verwaltungsgerichtshof (VwGH) abgewiesen – mehr dazu in Heumarktprojekt: Revision zurückgewiesen.

Wertinvest begrüßt naturgemäß die Streichung von der roten Liste. Möglich geworden sei das „durch eine gemeinsame diplomatische Kraftanstrengung“ des Außen- und Kulturministeriums sowie der Stadt Wien. Das Projekt „soll die Stadt bereichern und einen neuen Treffpunkt für die Wienerinnen und Wiener und Menschen aus aller Welt schaffen“, sagte Wertinvest-Eigentümer Michael Tojner. „Die formalen Schritte werden aber natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sieht man nicht als Hürde, sondern als Chance auf maximale Transparenz und Rechtssicherheit.

Freude bei Stadtpolitik

Erfreut zeigte sich entsprechend auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). „Wien hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um das historische Zentrum als UNESCO-Welterbe zu schützen und zugleich eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung unserer Stadt zu ermöglichen.“

Koalitionspartner NEOS betonte die Bedeutung der Entscheidung: „(Der Welterbestatus) ist ein wesentlicher Teil der Identität unserer Stadt und enorm wichtig – sowohl national als auch international. Unser Ziel war immer klar: Stadtentwicklung und Welterbeschutz sind kein Widerspruch und müssen Hand in Hand gehen“, sagte Klubobfrau Selma Arapovic.

Opposition mahnt Schutz des Stadtbildes ein

Auch die Wiener Grünen zeigten sich zufrieden. „Jetzt muss alles darangesetzt werden, dass Wien auch weiterhin den Verpflichtungen zum Erhalt des Welterbes nachkommt“, sagte Gemeinderätin Jennifer Kickert.

Die Wiener ÖVP sah in der Streichung eine gute Nachricht. „Gleichzeitig bleiben aber wichtige Hausaufgaben offen“, sagte Landesparteiobmann Markus Figl. „Die Rücknahme von der Roten Liste ist kein Freibrief. Der Schutz unseres historischen Stadtbildes endet nicht mit dieser Entscheidung.“

Die FPÖ Wien kritisierte das „jahrelange politische Lobbying, um dieses Prestigeprojekt doch noch durchzusetzen“. „Offensichtlich wurde auf allen Ebenen Druck gemacht, damit am Ende die Interessen eines milliardenschweren Investors über den Schutz des Wiener Stadtbildes gestellt werden“, sagte der FPÖ-Planungssprecher Toni Mahdalik.