Im Rahmen seiner Sommertour erntete Bundeskanzler Stocker in Salzburg mit seiner Aussage heftige Kritik von mehreren Seiten. Konkret sagte Stocker: „Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich“, so Stocker. Aber man müsse ja nicht einer Meinung sein. „Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als ‚Business Case‘ sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe“, so der Kanzler weiter – mehr dazu in salzburg.ORF.at und news.ORF.at.

Keine direkte Kritik an Stocker

Direkte Kritik an Stocker selbst übte ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits am Freitag am Rande eines Medientermins zwar nicht, allerdings stellte er klar, dass Kinderbetreuung aus seiner Sicht sehr wohl Arbeit sei. „Also für mich ist eines klar, dass Kinderbetreuung eine anstrengende Arbeit und viel Arbeit ist. Es ist eine schöne Arbeit und ich möchte mich bei allen Familien ganz herzlich bedanken für die Leistungen an der Gesellschaft und vor allem meine höchste Anerkennung aussprechen“, so Zarits.

„Familienleistungen höher als in anderen Teilen Europas“

So wie auch zuvor Stocker, hob Zarits die Leistungen für Familien, die es in Österreich gibt, hervor. „Wir leben in Österreich und wir leben in einem Land, wo die Familienleistungen höher sind als in anderen Teilen in Europa. Und Bundeskanzler Stocker und meine Person werden darauf schauen, dass diese Familienleistungen so hoch sind, wie sie auch derzeit sind“, so Zarits.

Kritik von SPÖ und FPÖ

Deutliche Kritik an Stocker kam am Freitag von Familienlandesrätin Daniela Winkler (SPÖ). Sie bezeichnete die Aussagen des Kanzlers als „entlarvend für das Frauen- und Familienbild der ÖVP“. Trotz Entschuldigung sei diese verbale Entgleisung ein „Schlag ins Gesicht aller Mütter und Erziehenden“.

Kritik übte auch die FPÖ. Landtsabgeordneter Markus Wiesler bezeichnete Stockers Aussagen als „beschämend“. Die FPÖ Burgenland erneuerte ihre Forderung nach der Einführung eines „Muttergehalts“. „Seine nachgeschobene Entschuldigung macht diese Aussage nicht ungeschehen. Christian Stocker ist rücktrittsreif“, so FPÖ-Klubobmann Christian Ries.