Der genaue Zeitplan für die Umsetzung ist ebenfalls offen, ein Erfolg des Vorhabens fraglich. Laut BBC, AFP und US-Kreisen hätte die Terrororganisation Hamas einer Entwaffnung zwar zugestimmt, eine offizielle Stellungnahme gibt es aber weder von dieser noch von Israel. Kurz vor der Verkündigung Trumps hatten sich israelische Regierungsvertreter noch skeptisch zu angeblichen Fortschritten in den jüngsten Verhandlungen geäußert.
Laut US-Kreisen und Quellen aus dem umstrittenen Friedensrat soll die Hamas neben einer vollständigen Entwaffnung auch der Entmilitarisierung des Gazastreifens zugestimmt haben. Allerdings wurden in der Vergangenheit schon mehrere angebliche Durchbrüche verkündet, die später in sich zusammenfielen.
Hamas will keine Übergabe der Waffen an Israel
Die Hamas hatte sich eigenen Kreisen zufolge bereit gezeigt, ihre Waffen unter Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung sowie der internationalen Vermittler zu stellen. Eine Übergabe an Israel sei nicht vorgesehen. Im Gegenzug müsse Israel seine Truppen komplett aus dem Gazastreifen abziehen und gezielte Tötungen in dem Palästinensergebiet einstellen.
Ghazi Hamad, ein an den Verhandlungen beteiligter Hamas-Funktionär, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Israel müsse mit der Umsetzung der ersten Phase beginnen, sobald beide Seiten dem Abkommenstext zugestimmt hätten. Sollte Israel der Vereinbarung nicht zustimmen, werde die Hamas diese auch nicht umsetzen.
Israel: 15-Punkte-Plan nicht ausreichend
Moshe Sa’ada von der Likud-Partei des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu soll laut BBC dem öffentlich-rechtlichen Sender Kan News gesagt haben, Israel werde keine Maßnahmen ergreifen, bevor nicht die Hamas entwaffnet sei und ihre Waffen, Tunnel und Infrastruktur zerstört worden seien.
Auch ein anderer israelischer Regierungsvertreter hatte vor Trumps Post am Donnerstagabend mitgeteilt, Israel fordere eine vollständige Entwaffnung der Hamas, „einschließlich des Abtransports sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen und einer vollständigen Entmilitarisierung des Küstengebiets als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess“.
Der diskutierte 15-Punkte-Plan erfülle diese Forderungen nach israelischer Auffassung nicht ausreichend, hieß es. Bis zur vollständigen Entwaffnung der Hamas und Entmilitarisierung des Gazastreifens werde es keinen Abzug der israelischen Armee geben.
Trump spricht von „monumentalem Schritt“
Die in Trumps Friedensplan vorgesehene Entwaffnung der Hamas galt als Knackpunkt, wurde sie von den Extremisten bisher doch abgelehnt. Für Trump sei die nun erzielte Einigung „ein monumentaler Schritt“ hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit. Auch alle anderen islamistischen Gruppen im Gazastreifen würden entwaffnet. Der mit der Hamas verbündete Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) wies das jedoch bereits zurück.
Konkret schrieb Trump: „Dieses Abkommen ist ein entscheidender Schritt hin dazu, dass der Gazastreifen endlich von einer neuen palästinensischen Regierung regiert wird, die eng mit dem Friedensrat zusammenarbeiten wird, um dem palästinensischen Volk zu helfen.“ Gleichzeitig erhalte Israel die Sicherheit, die es verdiene.
Eine internationale Stabilisierungstruppe solle mit „einer neuen palästinensischen Polizei“ zusammenarbeiten, um die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner des Küstengebiets und der Nachbarn zu gewährleisten, schrieb Trump weiter und dankte den Vermittlern Ägypten, Katar und der Türkei.
Bericht: Neuer Angriff trotz „Einigung“
Wenige Stunden nach der Ankündigung Trumps kam es laut Reuters unter Berufung auf Gesundheitspersonal in Gaza zu einem Luftangriff mit Verletzten. Obwohl seit Oktober 2025 formell eine Waffenruhe im Gaza-Krieg herrscht, kommt es regelmäßig zu tödlichen Konfrontationen und Angriffen.
Im Zuge eines von Trump vermittelten Friedensplans wurde zu Jahresbeginn der international besetzte Friedensrat („Board of Peace“) ins Leben gerufen, der gemäß seiner Charta den Wiederaufbau des Gazastreifens und die Nachkriegsordnung in dem großflächig zerstörten Küstengebiet überwachen soll.
Sichtbare Fortschritte blieben jedoch aus – zumal die Legitimität des ganz auf die Person Trumps und sein alleiniges Vetorecht zugeschnittenen Gremiums heftig kritisiert wurde.
Hilfsorganisationen schlagen Alarm
Internationale Hilfsorganisationen schlagen unterdessen wegen der prekären humanitären Lage im Gazastreifen weiterhin Alarm. Viele der rund zwei Millionen Einwohner und Einwohnerinnen sind angesichts der erheblichen Zerstörungen nach wie vor gezwungen, in überfüllten Zeltlagern zu leben, in denen es an vielen grundlegenden Dingen des täglichen Bedarfs fehlt.
Auslöser des Gaza-Krieges war der Überfall der Hamas und anderer Gruppen auf Israel, bei dem am 7. Oktober 2023 offiziellen Angaben zufolge rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Israel startete daraufhin eine Militäroffensive im Gazastreifen. In Gaza wurden dabei laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde seitdem mehr als 73.300 Menschen getötet. Die Behörde unterscheidet in ihrer Zählung nicht zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung.
„Folgenreichste Entscheidung in Geschichte der Hamas“
Bei der BBC werden palästinensische Beamte, die an den Gesprächen beteiligt waren, zitiert. Diese würden von der „folgenreichsten politischen Entscheidung in der Geschichte der Hamas“ sprechen. Die Hamas-Führung sei vor allem durch die verheerende humanitäre Krise, der mehr als zwei Millionen Palästinenser und Palästinenserinnen im Gazastreifen ausgesetzt sind, dazu veranlasst worden, der Entwaffnung zuzustimmen.
Weiter heißt es bei der BBC: „Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, ob das Abkommen vollständig umgesetzt wird oder ob alle Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen werden.“ Wäre das der Fall, könnte das „den ersten glaubwürdigen Schritt zur Beendigung eines fast drei Jahre andauernden Krieges darstellen und den Weg für einen umfassenderen politischen Prozess ebnen“.