Zwei Hamas-Vertreter teilten der Nachrichtenagentur AFP am Freitag mit, dass eine Einigung „in der Frage der Waffen erzielt“ worden sei. Ghazi Hamad, ein an den Verhandlungen beteiligter Hamas-Funktionär, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Israel müsse mit der Umsetzung der ersten Phase beginnen, sobald beide Seiten dem Abkommenstext zugestimmt hätten. Sollte Israel der Vereinbarung nicht zustimmen, werde die Hamas diese auch nicht umsetzen.
Konkret soll sich die Hamas eigenen Kreisen zufolge bereit gezeigt haben, ihre Waffen unter Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung sowie der internationalen Vermittler zu stellen. Eine Übergabe an Israel sei nicht vorgesehen. Im Gegenzug müsse Israel seine Truppen komplett aus dem Gazastreifen abziehen und gezielte Tötungen in dem Palästinensergebiet einstellen.
Israel knüpft Rückzug an „echte Entwaffnung“ der Hamas
Israel will seine Armee erst nach einer „echten“ Entwaffnung der Hamas aus dem Gazastreifen abziehen. „Als Reaktion auf (…) Berichte über diplomatische Fortschritte“ habe die israelische Regierung bekräftigt, „dass es keinerlei Rückzug des israelischen Militärs von der aktuellen gelben Linie geben wird“, verlautete aus israelischen Politikerkreisen unter Bezug auf die aktuelle Demarkationslinie.
Der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir nannte die Vereinbarung „inakzeptabel“. „Nach dem Massaker vom 7. Oktober lastet Blut“ an den Händen jedes Hamas-Mitglieds, teilte Ben Gvir auf Telegram mit. „Daher wäre der Verzicht auf eine Tötung der Mörder dieser Terrororganisation eine Art Zustimmung zu künftigen Massakern der Hamas“, fügte er hinzu. Stattdessen sollten „die gezielten Tötungen im Gazastreifen“ fortgesetzt und die Auswanderung von Palästinensern aus dem Küstenstreifen vorangetrieben werden. „Israel muss siegen!“
Trump verkündete „vollständige Entwaffnung“
Trump hatte zuvor eine Einigung zu einer „vollständigen Entwaffnung“ der Hamas im Gazastreifen verkündet. Im Gegenzug würden die israelischen Streitkräfte aus dem Küstengebiet abziehen. Der von ihm ins Leben gerufene Friedensrat habe diese „historische Vereinbarung“ erzielt, schrieb Trump am Donnerstag (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social.
„Dieses Abkommen ist ein entscheidender Schritt hin dazu, dass der Gazastreifen endlich von einer neuen palästinensischen Regierung regiert wird, die eng mit dem Friedensrat zusammenarbeiten wird, um dem palästinensischen Volk zu helfen.“ Gleichzeitig erhalte Israel die Sicherheit, die es verdiene.
Eine internationale Stabilisierungstruppe solle mit „einer neuen palästinensischen Polizei“ zusammenarbeiten, um die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner des Küstengebiets und der Nachbarn zu gewährleisten, schrieb Trump weiter und dankte den Vermittlern Ägypten, Katar und der Türkei.
Friedensrat: Waffen werden nicht an Israel übergeben
Am Freitag veröffentlichte der Friedensrat einen „Fahrplan“ zur Umsetzung des Vorhabens. „Es dürfen keine Waffen an Israel oder nicht palästinensische Parteien übergeben werden“, betonte das Gremium dabei. Nur die palästinensische Übergangsregierung solle künftig Waffen im Gazastreifen verwahren und kontrollieren.
Ein israelischer Regierungsvertreter hatte vor Trumps Ankündigung allerdings einen „Abtransport sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen“ als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess gefordert.
Islamischer Dschihad lehnt Entwaffnung ab
Die in Trumps Friedensplan vorgesehene Entwaffnung der Hamas galt als Knackpunkt, wurde sie von den Extremisten bisher doch abgelehnt. Für Trump sei die nun erzielte Einigung „ein monumentaler Schritt“ hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit. Auch alle anderen islamistischen Gruppen im Gazastreifen würden entwaffnet. Der mit der Hamas verbündete Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) wies das jedoch bereits zurück.
Ein Mitglied des Politbüros der PIJ sagte, es handle sich bei einem „aktuell kursierenden Dokument“ lediglich um einen Entwurf, gegen den seine Gruppe Vorbehalte habe. Das Mitglied des Politbüros des PIJ sagte weiter, der aktuelle Entwurf für einen Deal enthalte von der Gruppe geforderte Bedingungen nicht – darunter Garantien, dass Israel zur Umsetzung seines Parts verpflichtet werde.
„Folgenreichste Entscheidung in Geschichte der Hamas“
Bei der BBC werden palästinensische Beamte, die an den Gesprächen beteiligt waren, zitiert. Diese würden von der „folgenreichsten politischen Entscheidung in der Geschichte der Hamas“ sprechen. Die Hamas-Führung sei vor allem durch die verheerende humanitäre Krise, der mehr als zwei Millionen Palästinenser und Palästinenserinnen im Gazastreifen ausgesetzt sind, dazu veranlasst worden, der Entwaffnung zuzustimmen.
Weiter heißt es bei der BBC: „Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, ob das Abkommen vollständig umgesetzt wird oder ob alle Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen werden.“ Wäre das der Fall, könnte das „den ersten glaubwürdigen Schritt zur Beendigung eines fast drei Jahre andauernden Krieges darstellen und den Weg für einen umfassenderen politischen Prozess ebnen“.
Wenige Stunden nach der Ankündigung Trumps kam es laut Reuters unter Berufung auf Gesundheitspersonal in Gaza jedoch wieder zu einem Luftangriff mit Verletzten.